CSV-Technologie

Beim „Chemischen Spritzmetallisieren“ (CSV-Technologie) handelt es sich im Gegensatz zur klassischen Spritzlackierung um eine „reduktive Metallausscheidung“. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Verspiegelung. Zunächst erfolgt die Oberflächenbehandlung und Grundlackierung der zu metallisierenden Fläche. Es wird anschließend eine dünne Silberschicht auf der Oberfläche der grundlackierten Formteile erzeugt.Die Silberschicht wird durch einen abschließenden Lack geschützt.

Einsatz- und Anwendungsbereiche

Einsatzbereiche

• Prototypenbau in der industriellen Forschung und Entwicklung

• Modell- und Versuchsbau

• Messebau

• Präsentations- und Ausstellungsstücke

• Kunstobjekte

• Mobiliar/Ausstattung im Interieurbereich

Anwendungsbereich

• Ganzflächig oder nur in Teilbereichen eines Werkstücks

• Sondereinstellung in Farbton und Glanzgrad stufenlos möglich

• diverse Oberflächenstrukturen können dargestellt werden

 Metallisierbare Untergründe

Die richtige Auswahl und Durchführung der geeigneten Untergrundbehandlung ist für die Qualität des Ergebnisses ebenso entscheidend wie die Qualität der Rohstoffe und der Lackier- / Metallisiertechnik. Grundsätzlich sind alle lackierbaren Untergründe, die auch vorher verspachtelt und verklebt werden können, metallisierbar.

 
Besondere Beispiele:

Holz, Glas, Metall

Vorraussetzungen:

Lackier-, Lösungsmittel- und Temperaturbeständigkeit (60°)

Auszug Kunststoffe:

ABS Acrylnitril-Butadien-Styrol

GFK Glasfaserverstärkter Kunststoff

PA Polyamid

PBT Polybutylenterephthalat

PE Polyethylen nach Vorbehandlung

PP Polypropylen nach Vorbehandlung

PUR Polyurethan nach Vorbehandlung

PF Phenolformaldehyd

UF Ultrafiltration

 

Vorbehandlung kritischer Kunststoff-Untergründe:

• fluorieren mit Fluorgas

• Plasmabehandlung

• Einsatz von einem speziellen Haftgrund

• beflammen 

Prozess- und Aufbaubeschreibung

A. Untergrundvorbehandlung:

Je nach Untergrundbeschaffenheit wird dieser ggf. angeschliffen, geglättet, mit Haftgrund und Füller überzogen sowie mit einem 2-Komponenten Acryllack vorlackiert. Die so geschaffene glatte Oberfläche wird fein (Körnung: P1200) geschliffen.

Grundlack: ca.: 20/30 μm

Dieser dient als Haftvermittler zwischen Untergrund und Metallschicht. Der Grundlack soll, möglichst glatt lackiert, auf dem Trägerwerkstoff eine brilliante Oberfläche bewirken. In besonderen Fällen kann er als Struktur- und Effektlack ausgebildet sein. Die Durchtrocknung des Grundlacks dauert je Schichtdickenauftrag zwischen 3 bis 6 Stunden bei einer Mindesttemperatur von 65° Grad. Danach ist der Grundlack für die chemische Metallisierung aufnahmefähig und weist die nötige Wasserverträglichkeit und Benetzbarkeit auf.

B. Metallisierungsvorgang:

Der Vorgang der Metallisierung unterteilt sich in mehrere Arbeitsgänge.

1. Aktivieren

Um eine Verschmutzung der Silberschicht zu vermeiden wird das Objekt mit demineralisiertem Wasser gespült. (maximaler MegaOhm Wert 1,0 mg/Ohm) Nach dem Spritzauftrag des Aktivators entspannt sich die Oberfläche und wird erneut mit demineralisiertem Wasser gespült.

2. Metallisieren: ca.: 1 μm

Hierbei wird als wäßrige Lösung im Spritzverfahren eine Silberschicht, die sich bei der Reaktion zwischen Silbernitrat und anderen Reaktionspartnern bildet, auf dem Werkstück abgeschieden. Metallisiert wird mit einer speziellen Zweikomponenten-Pistole. Gleichzeitig treten aus zwei getrennten Düsen Silbersalz und Reduktionslösung aus. Beide Komponenten vermischen sich außerhalb der Pistole. Beim Zusammentreffen beider Substanzen beginnt die chemische Reaktion und demzufolge die Metallausfällung. Nach erfolgter Versilberung wird das Werkstück erneut gründlich gespült und getrocknet.

3. Schutzlack ca.: 20-50 μm

Der Schutzlack schützt die Metallschicht gegen physikalische Einflüsse. Er wird in mehreren Spritzgängen aufgetragen und bei 60° Grad getrocknet. Bei farblosen und modifizierten Lacken wird ein chromartiger Effekt erreicht. Durch Einfärben mit speziellen Farbessenzen kann der Chromeffekt mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Nuancen von jedem gewünschten Farbton des Regenbogens oder auch Schwarz, Gold, Aluminium, etc. erzeugt werden. Durch zusätzlichen Einsatz von Nano Klarlacken kann eine erhöhte Kratzfestigkeit erzeugt werden.

C. Belastbarkeit:

Qualitativ ist die Oberfläche einer CSV-Beschichtung/-Metallisierung mehr im Sinne einer Lackierung zu betrachten, da die dünne Silberschicht üblicherweise zwischen Grund- und Schutzlackschicht eingebettet wird. Durch das Versiegeln mit speziellen Klarlacken ist die Außenschicht mechanisch belastbar ähnlich wie die einer Fahrzeuglackierung.

Hohe Temperaturen, eine hohe UV Belastung und Feuchtigkeit können die Haltbarkeit stark beeinflussen bzw. die Beschichtung zerstören und ist daher im Aussenbereich nicht einsetzbar. Ebenfalls können entsprechend ungünstige klimatische Bedingungen im Innenbereich die Beschichtung beschädigen und zerstören.

Eine sachgemäß durchgeführte CSV-Metallisierung erfüllt insgesamt ein hohes Qualitätsniveau mit relativ hohen kratz- und haftfesten Oberflächen.

Durch unsachgemäße Behandlung der metallisierten Flächen und/oder Verletzungen der Schutzschicht kommt es zu einer sich ausbreitenden Unterwanderungskorrosion, was die Auflösung der Silberschicht zur Folge hat. Verfärbungen und Abplatzungen können ebenfalls daraus resultieren.

Spezielle Anforderungen sind im Einzelfall vorher – auf Originalteilen – abzuprüfen! 

Nutzen:

CSV Metallisierung - Galvanische Beschichtung - Hochvakuum Bedampfung

Bei der galvanischen Beschichtung (Arbeiten in Bädern) ist die Schichtbildung mittels elektrischer Energien im großen Ausmaß steuerbar. Durch das galvanische Bad wird die schnelle und umfangreiche Produktion mit dicken, haltbaren Chrom-Schichten ermöglicht. Durch geeigneten Mehrschichtenaufbau sind dort optimale physikalische und chemische Qualitäten erreichbar. So wird das Verfahren heute in der Regel bei der Serienproduktion für Chrom-Teile verwendet, die der Witterung standhalten müssen. Im Gegensatz zur galvanischen Beschichtung dient die CSV Metallisierung dekorativen Zwecken. Das Metallisieren von Formen, Flächen und Untergründen ist auch da möglich, wo dem galvanischen Verfahren Grenzen gesetzt sind.
So können zum Beispiel Materialien wie Kunststoff, Holz und verschiedenste Metalle mit sehr dünnen Schichtstärken verspiegelt werden, wenn gewünscht, auch nur in Teilbereichen. Die so verspiegelten Flächen erscheinen perfekt verchromt – die Produkte sehen absolut realistisch aus. Das Verfahren eignet sich sowohl für die Produktion von Einzelstücken wie z. B. Prototypen, als auch für Kleinserien. Die Vorteile der CSV Technologie liegen im universellen Handling, sowie dem breit gefächerten Anwendungsbereich.

Im Vergleich zur Hochvakuum-Bedampfung – wo bevorzugt Klein- und Massenteile metallisiert werden sind mit der CSV Metallisierung auch sehr großvolumige Objekte beschichtbar.

Schichtdicken:

Die Schichtdicken sind abhängig von der Oberflächenbeschaffenheit der Bauteile. Je nach benötigter Untergrundvorbehandlung kann ein Materialaufbau zwischen 130 und 370 μm entstehen.

Schichtdicken:

Haftgrund 20 μm

Füller max. 150 μm

2 K Acryl Lack 70 μm

Grundlack 30 μm

Silber 0,5-1 μm

Schutzlack 50 μm

UV Klarlack 50 μm